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Was uns verbindet

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Der Herr sei mit Euch

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Der Herr sei mit Euch

Als nicht mehr so ganz kleines Kind (aber noch vor der ersten heiligen Kommunion) fand ich mich irgendwann an einem frühen Abend im  Mai in unserer schäbigen aber ehrwürdigen alten Kirche ein; ich saß im hinteren Teil des Mittelschiffes, die Bänke waren zum großen Teil noch leer, ich war zu früh. Um mir die Zeit zu vertreiben versuchte ich starren Blickes die irrlichternden Kerzen am Altar zu fixieren. Ich geriet in eine Art Trance – um mich herum verschwammen alle Konturen, mein starrer Blick machte meine Augen tränen und wechselte nur noch zwischen dem Gekreuzigten und den Altarkerzen hin und her. Innerlich wurde ich ganz ruhig und begann mir einzureden (wahrscheinlich taten die weit ausgebreiteten Arme des Heilands ein übriges) ich sei ER und sei, da mit einer solchen Allmacht ausgestattet, wie damals vielleicht höchstens noch Batman, Superman oder Goofy, in der natürlichen Lage – fliegen zu können! Noch bevor die Maiandacht begann, malte ich mir realistisch aus, wie ich später über dem Kopf des Pastors in fein geschwungenen Linien den Altar umkreisen und danach, einer Taube gleich den allerheiligsten Kirchenraum schwebend durchmessen würde um in die milde Mailuft nach draussen zu entfleuchen.

Heute weiß ich, eine Melange aus Weihrauch, heimischer Bigotterie und eine womöglich bereits damals in mir reifende Neigung zur Häresie waren die wirklichen Ursachen für diesen sich gelegentlich wiederholenden Tagtraum. Von den Eltern mehr noch von den Großeltern mit fast allen Weihwassern gewaschen, neigte ich schon früh zur Frömmelei, für mich eine andere Form von Schauspielerei. Der Altar,das Allerheiligste, die frommen kultischen Handlungen, auch die damit verbundenen szenischen Abläufe hatten es mir angetan. Eine Zeitlang wollte ich, wenn nicht gleich Pastor so doch wenigstens eine Jesus-Inkarnation werden – da hatten die frommen,wenn auch bisweilen äußerst handgreiflichen Erziehungsgrundsätze ihre volle Wirkung entfacht – wo es ging hielt ich auch die zweite Wange hin.Es dauerte dann doch noch ein paar Jahre bis ich so etwa mit ende vierzig langsam erwachsen zu werden drohte und mir auf so manches Erlebte oder auch Erlittene einen eigenen Reim zu machen begann. Die Heiligen der Kindheit waren jetzt wie ausgewechselt, manche bereits abberufen andere jäh ins Zwielicht geraten, wieder andere unverbesserlich beseelt von dem Grundsatz, der schöne Schein möge die Mittel auch weiterhin heiligen. Nicht zuletzt weil ich eine ganze Weile sozusagen auf Tuchfühlung mit dem Heiligen Rock in Trier gelebt habe war es nur eine Frage der Zeit, wann ich den heiligen Unernst der Lage erkannt haben würde und gewissermaßen auf Teufel komm raus im Kitsch des frühen Kindchenglaubens zu neuen Ausdrucksformen finden würde.Als Zeichenkünstler mit einer satirischen Ader ausgestattet begann ich ja schon früh die Tabuzonen des Katholizismus auszuleuchten – einer meiner Cartoons aus den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts beschäftigt sich mit dem Gekreuzigten: mitsamt seinem Kreuz sieht man ihn, wie er auf einer Tragbahre liegend in die Notaufnahme geschoben wird, während ein Arzt einem Kollegen ganz im Tatortstil zu flüstert: „Ich denke, wir kriegen ihn durch!“. Auf einer anderen Zeichnung sieht man ein verwittertes Kreuz, im  Vordergrund einen Holzwurm, der erschrocken seinen sich offensichtlich im Inneren des Kreuzes befindlichen Kollegen zuruft: „Haltet ein Freunde, es ist das Zeichen des Herrn!“ Worauf es aus den morschen Balken tönt: „Ach was,bloß lecker herrlich Mittagessen!“

Der Rest ist schnell erzählt: der legendäre Käsetoast bei ebay mit dem schwer erkennbaren Abbild der Mutter Gottes brannte sich in meinen kreativen Hirnlappen; seither bin ich durch reine Willensanstrengung in der Lage Toasts unter anderem mit gerösteten Heiligen erscheinen zu lassen, die schwere Kost zu arrangieren, sie in verschiedene bisweilen völlig sinnfreie Zusammenhänge zu bringen und dergleichen mehr; in letzter Zeit habe ich auch immer wieder Erscheinungen auf  Schwamm, auf Frühstücksbrettchen oder Tellern, meine Frau meint, ich sei überarbeitet, dabei werde ich aber vermutlich nur so zum Schein heilig.

In Ewigkeit Amen.

HeiligScheiniges bei Kemenski

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Bei Baltes bleibt Kunst nicht brotlos

Allgemeine Zeitung Mainz 08.10.2010 – MAINZ

(AW). Kunst kennt keine Grenzen, selbst Toast muss dran glauben. Der nämlich hält als Mal- und Zeichengrund für die Heiligen, Scheinheiligen und Heiligenscheinigen des rheinhessischen Künstlers Jörg Baltes in der Ausstellung „Back S Tage“ in der Gonsenheimer Galerie Kemenski & Ich her. Konserviert und hinter Glas versteht sich, denn dem Werk droht sonst nicht nur eine unbeabsichtigte grüne Farbkomponente durch Schimmelbefall, sondern baldigste Vergänglichkeit.

Toast als Malgrund mit vielerlei Motiven

Was Beuys sein Fett, ist Baltes sein Toastbrot, säuberlich vom Rand getrennt und mit vielerlei Motiven zum Kunst tragenden Medium erhoben. Künstler mit Lebensmitteln spielen zu sehen – eine Provokation?

Das kann man sich heute kaum mehr vergegenwärtigen und auch Großmutters erhobener Zeigefinger: „Mit Essen spielt man nicht“ ist kein Argument gegen die Freiheit künstlerischen Ausdrucks. Diesen lässt sich der für die Satire bekannte Zeichner Baltes, der wie er sagt, nach 13 Jahren brotlosen Zeichnens, endlich den Ausbruch in die Freie Kunst geschafft hat, denn auch nicht mehr beschränken.

Baltes Schaffen macht vor nichts halt, auch nicht vorm Katholizismus. So tritt denn auch bei inhaltlicher Betrachtung seiner Toastbrotkunst plakativ ein religionskritisches Moment in den Vordergrund. Der gekreuzigte Erlöser reckt seinen geschundenen Toastbrotlaib aus fluoreszierendem Bildgrund, aus einem Bischof wird ein Glaubenskrieger mit angelegtem Maschinengewehr und Mutter Marias mild lächelndes Antlitz blickt leicht schrundig aus den groben Poren des gehärteten Teigmantels. So sarkastisch, so hintersinnig, so tragisch-komisch und mit so großer Lust boshaft austeilend, das ist Jörg Baltes, einer der vielseitigsten Künstler Rheinhessens.

ZeichenAktion Im Eisenturm

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